Krankheit & Gesundheit aus schamanischer Sicht

Die WHO definiert Gesundheit als einen „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen.” Nach der Definition der Sozialgerichte bezeichnet Krankheit “einen regelwidrigen Körper- oder Geisteszustand, der Behandlungsbedürftigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.”

Als Schamanin liegt mein Augenmerk vor allem auf der Gesundheit der Seele. Diese schließt einen Zustand des Körpers, den wir aus menschlicher Sicht vielleicht nicht unbedingt als gesund bezeichnen würden, nicht aus, auch, wenn es sich mit einem gesunden Körper ganz sicher angenehmer leben lässt.

Nach dem schamanischen Weltbild inkarniert sich eine Seele, weil sie Erfahrungen machen möchte. Sie möchte sich selbst zutiefst kennenlernen und nicht nur wissen, wer sie ist, sondern in einem Körper erfahren. Sie inkarniert sich immer wieder. Manche Inkarnationen sind leicht und voll dessen, was wir normalerweise Glück nennen und manche sind leidvoll, geprägt vielleicht von Krieg, Gewalt oder eben auch Krankheit oder Behinderung.

Es kann also durchaus sein, dass eine Seele sich vollkommen heil und gesund fühlt, obwohl ihr Körper als krank bezeichnet werden könnte. Bei Menschen wie z.B. Stephen Hawking mag dieses Phänomen einleuchtend erscheinen. Der Körper war weitestgehend „unbrauchbar“, umso klarer und schärfer konnte sich sein Verstand entwickeln, denn viele Bedürfnisse und „Ablenkungen“, die ein gesunder Körper mit sich bringt, hatte er einfach nicht. Auch von blinden Menschen erfahren wir immer wieder, dass sie ihre anderen Wahrnehmungsmöglichkeiten ganz anders ausschöpfen und entwickeln.

Auch das Sterben des Körpers kann aus schamanischer Sicht unter Umständen als gesund bezeichnet werden. Es gibt Lebenssituationen, in denen sich ein Mensch ggf. so sehr eingerichtet, an die er sich so sehr gewöhnt hat, dass er sich über Jahrzehnte nicht mehr weiter entwickelt und keine wesentlich neuen Erkenntnisse mehr hat. Die Seele trifft die Entscheidung, dass der Mensch ein neues Setting braucht und der Körper entwickelt eine üblicherweise tödliche Krankheit. Der Mensch hat an dieser Stelle noch einmal die Möglichkeit, einen neuen Weg einzuschlagen, seine alten Gewohnheiten loszulassen, alte Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster zu prüfen und zu ändern. Wenn er es nicht tut, wird er gehen. Tod ist in diesem Sinne etwas, das das Leben unterstützt. Er ist kein Zustand, sondern immer nur ein Übergang. Den Tod als Zustand gibt es aus schamanischer Sicht nicht.

Gemeinsam für Menschen

Jede Krankheit hat eine Absicht. Das war die Aussage meiner Geister vor einiger Zeit. Kennen wir die Absicht, können wir unseren Körper entweder schneller wieder heilen und finden die Menschen (Ärztinnen, Heilpraktiker oder auch seelisch arbeitende Menschen), die uns dabei helfen. Oder wir können unsere Situation leichter akzeptieren oder auf Seelenebene auch neue Entscheidungen treffen. Es ist eine meiner Aufgaben als Schamanin, in Kontakt mit der Seele einer Klientin oder eines Klienten zu treten und genau diese Absicht zu erfahren. Oft ist dies aber ein Prozess, durch den die Geister oder die Seele den Menschen Schritt für Schritt führen. In meiner eigenen Entwicklung habe ich anfangs lange auf den einen großen Seelenknall gewartet, der alles verändern würde. Doch natürlich geschieht die Veränderung in einem Menschen nur selten Knall auf Fall und sehr oft in winzigen Schritten. Neue Gedanken, neue Gefühle, Erkenntnisse sind plötzlich, still und leise einfach da. Auf einmal merkt man, dass einem etwas, was einem lange schwer fiel jetzt leicht von der Hand geht.

Ich möchte an dieser Stelle kurz noch darauf eingehen, was ich unter einer Seele verstehe. Im Grunde weiß keiner, wo eine Seele anfängt und wo sie aufhört. Wir sind unendliche Wesen in einem Ganzen, das ebenfalls unendlich ist. Das lässt sich als Mensch kaum vorstellen. Doch wir können uns vorstellen, dass die Seele größer ist als das, was wir üblicherweise wahrnehmen. Wir wissen, dass wir einen Körper haben und wissen, dass es ein Bewusstsein gibt. Manchen von uns ist auch sehr bewusst, dass wir ein Unterbewusstsein besitzen, das uns nicht leicht zugänglich ist, das aber in unserem Leben Wirkung hat.

Mir ist wichtig, deutlich zu machen, dass wir nicht Menschen sind, die eine Seele haben, die dann unabhängig von uns irgendwelche Entscheidungen trifft und wir quasi Opfer unserer Seelenentscheidungen sind. Ein Mensch IST seine Seele. Doch wenn wir uns auf der Erde inkarnieren, geben wir uns große Mühe, einen großen Teil von uns selbst zu vergessen, damit Erfahrung und auch Schöpferkraft überhaupt möglich sind. Wüssten wir als Mensch vorher schon immer alles, würden wir uns einfach nur langweilen und hätten keine Möglichkeit, uns zu entwickeln oder zu verändern. Die Seele eines Menschen kann mit dem Teil, der dem Menschen hier und jetzt nicht bewusst ist, eine Entscheidung treffen, auch wenn der Mensch auf bewusster Ebene eine ganz andere Entscheidung trifft. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir immer die Möglichkeit haben, uns diese Teile unserer Seele ins Bewusstsein zu holen, wenn wir tatsächlich still werden und zuhören. Allerdings spielen uns unsere Hoffnung und Wünsche gerne auch mal einen Streich. Dann gelingt es uns nicht, wirklich in Kontakt mit uns selbst zu kommen und brauchen jemanden anderes dafür, z.B. eine Schamanin.

Ursachen für Krankheiten

Hinweis auf Änderungswunsch deines Lebensstils

“Geh Du vor”, sagte die Seele zum Körper, “auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf Dich.” “Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben”, sagte der Körper zur Seele.

© Ulrich Schaffer, (*1942), Fotograf und Schriftsteller
gefunden auf aphorismen.de

Mehr gibt es dazu kaum zu sagen. Meistens geht es hierbei um das Ändern von Grundannahmen über das Leben allgemein und das persönliche Leben im Konkreten. Verändertes Denken und Fühlen hat (hoffentlich) verändertes Handeln zur Folge und führt langfristig und mit Geduld auch wieder zu körperlicher Gesundheit.

Üblicherweise können Denken und Fühlen durch eine “normale” Psychotherapie oder auch durch einfache Gespräche mit Freunden oder auch durch Erlebnisse und Erkenntnisse im Alltag geändert werden.

Schamanische Unterstützung ist sinnvoll, wenn du merkst, dass du etwas im Kopf klar hast, aber dein Gefühl partout nicht mitziehen möchte. Dann kann es sein, dass

  • dir vielleicht ein Seelenanteil fehlt,
  • du in irgendeiner früheren Inkarnation oder auch in deiner sehr frühen Kindheit bestimmte Erfahrungen gemacht und entsprechende Entscheidungen getroffen hast, an die du mit deinem Alltagsbewusstsein nicht heran kommst,
  • dir spirituelle Einsichten fehlen, die dir helfen könnten, dein Denken und Fühlen zu ändern

Hol dir jede Unterstützung, die du bekommen kannst, um deinen Weg zu ändern.

Fehlen eines Seelenanteils

Warum Seelenanteile fehlen können, habe ich in diesem Beitrag beschrieben. An dieser Stelle möchte ich kurz darauf eingehen, wie daraus Krankheiten entstehen können.

Wenn uns ein Seelenanteil abhanden kommt, dann haben wir quasi ein Loch in unserer Seele. Wir sind nicht mehr ganz. In dieses Loch können sich fremde Energien setzen und eben auch Krankheiten. Dann gilt es, nicht nur den eigenen Seelenanteil wieder zurück zu holen, sondern es sollte auch noch die fremde Energie aus dem System entfernt werden. Wenn ich schamanische arbeite, ist das in aller Regel “ein Abwasch”.

Zum einen wirkt auf diese Weise die entsprechend krank machende Energie und zum anderen fehlt uns unser Seelenanteil. Das heißt, wir können nicht mehr so leben, wie es unserer Seele eigentlich entspricht. Das hat Auswirkungen auf unser Erleben und damit nach und nach auch auf unser Denken und Fühlen. Ich habe es immer wieder erlebt, dass ich “plötzlich” und ganz leicht andere Entscheidungen aufgrund anderer Gefühle getroffen habe, nachdem ein Seelenanteil wieder zurück war.

Entscheidungen, an die wir uns nicht mehr erinnern können

In meinem Blogbeitrag über Seelenanteile beschreibe ich die Erfahrung einer jungen Frau. Sie bekam plötzlich Angst, ihre Beine zu verlieren. Diese Angst hatte ihre Ursache in einer früheren Inkarnation im Mittelalter, in der sie als kluge und schreibkundige Frau der Folter zum Opfer gefallen war. Sie hat danach die Entscheidung getroffen, die nächsten Inkarnationen tendenziell dumm auf der Erde unterwegs zu sein, da sie das als sicherer empfand. Doch die Lebensbedingungen und Werte der Menschen – zumindest hier in unseren Breitengraden – haben sich deutlich geändert. Intelligenz ist auch bei Frauen immer gefragter und wird anerkannt. 🙂 Es ist auf jeden Fall nicht mehr gefährlich. Sie konnte also eine neue Entscheidung treffen.

Eine ähnliche Entscheidung könnte z.B. gewesen sein, die Süße des Lebens nicht mehr zu genießen, da dies ggf. früher zu schmerzhaften Erfahrungen geführt haben könnte. Die Übersetzung ins Körperliche könnte z.B. eine Diabetis sein. Oder das übereifrige Essen von Fetten könnte auf den Hungererfahrungen unserer Großeltern beruhen und zu entsprechenden körperlichen Resultaten führen. Eine Frau könnte in früheren Inkarnationen herausfordernde Erfahrungen mit dem Kinderbekommen gemacht haben und in dieser Inkarnation immer wieder ihre Kinder verlieren, weil sie eine unbewusste Angst hat und ebenso unbewusst die Entscheidung getroffen haben mag, lieber keine Kinder zu bekommen etc. Es gibt viele Varianten, wie frühere Entscheidungen, an die wir uns nicht mehr erinnern können, unser Leben ganz real beeinflussen.

Mit schamanischen Methoden kann man solchen Entscheidungen, die tief im Unterbewusstsein liegen, auf die Schliche kommen. Gefahr erkannt, heißt in diesem Fall sehr oft tatsächlich Gefahr gebannt, da sich unsere Lebensumstände sehr oft bereits geändert haben und die Seele jetzt hinterher kommen kann.

Krankheit als Möglichkeit, bestimmte Fähigkeiten oder Sichtweisen zu entwickeln

Ich habe am Anfang schon geschrieben, dass wir als Seelen auf der Erde Erfahrungen machen möchten, wozu wir diverse Inkarnationen nutzen. Nach meiner Erfahrung haben wir eine Idee, was wir erfahren und auch erschaffen wollen, wenn wir uns auf eine Inkarnation vorbereiten.1) So wie ich es wahrnehme, suchen wir uns unsere Eltern und Kindheitserfahrungen dafür ziemlich genau aus. Die Bedingungen, die wir uns für unseren Start ins Leben aussuchen, beeinflussen unseren Glauben, unser Denken und Fühlen. Damit sind bestimmte Erfahrungs- und Entwicklungswege geöffnet. Wie wir damit umgehen und was wir daraus machen, ist unsere Entscheidung hier auf der Erde. Ich glaube nicht, dass wir unser gesamtes Leben durchgeplant haben. Das würde uns hier auf der Erde ja nur zu bloßen Spielfiguren unseres eigenen Drehbuches machen. Ich denke aber, dass wir Knotenpunkte geplant haben, die das Potenzial haben, uns in eine bestimmte Richtung zu schicken.

Ein solcher Knotenpunkt kann eine Krankheit sein.

Wenn wir unser Leben nur auf eine bestimmte Art und Weise leben, können wir manche Erfahrungen einfach nie machen. Wenn wir z.B. lernen wollen, uns helfen zu lassen, müssen wir manchmal zu drastischen Maßnahmen greifen und uns körperlich in eine Situation bringen, in der wir uns helfen lassen müssen.

Mein Liebster hat sich im Sommer 2020 zwei Fingerkuppen abgesägt. Er war immer in Action und hat es nicht wirklich geschafft, mal zur Ruhe zu kommen, denn: “das (was auch immer) muss fertig werden.” Das war eine sehr schmerzhafte Art, sich ruhig zu stellen. Er erzählte mir dann von einer Erinnerung daran, dass seine Geister ihn vorher gefragt hatten, ob er das wirklich wolle und er dem zugestimmt habe. Offensichtlich brauchte er das, um zu lernen, auch mal alle Fünfe gerade sein zu lassen. Inzwischen geht er zwar immer noch gerne mal an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit, aber eben nicht mehr so unsäglich darüber hinaus. Er macht immer mal wieder Pause und hört früher und öfter auf seinen Körper.

Krankheiten oder Behinderungen von Geburt an

Manchmal kommt ein Mensch schon mit einer bestimmten Krankheit oder mit einer Behinderung auf die Welt. Auch dies geschieht unter Umständen, um bestimmte Sichtweisen auf das Leben zu entwickeln und ggf. aktiv an Veränderungsprozessen in der Gesellschaft durch Bewusstseinsarbeit mitzuwirken.

Ich habe in München bei einer Frau mit Behinderung gearbeitet, die sich ganz klar an ihre Entscheidung, in dieser Inkarnation die Erfahrung der Behinderung zu machen, erinnern konnte. Sie arbeitet selbst aktiv an der Entwicklung des Bewusstseins in der Gesellschaft mit. Es geht dabei z.B. darum zu lernen, dass “Anderssein” nicht nur ebenso gleichwertig ist wie das “Normalsein”, sondern auch darum, die Geschenke, die diese Menschen mit ihrem anderen und speziellen Blick auf die Strukturen und das Leben in sich tragen, wertzuschätzen und anzunehmen.

Manchmal geht es auch darum, den gängigen ärztlichen Methoden ein klares “Nein” entgegenzusetzen und übliche Behandlungen abzulehnen, um ein Umdenken in eingefahrenen Strukturen zu bewirken. Eine Frau erzählte mir von einer solchen Situation. Das Resultat war eine grundsätzlich neue Verfahrensweise für eine spezielle OP auch für die darauf folgenden Patientinnen. Das erfordert sehr viel Kraft und Mut und ist ganz sicher kein leichter Lebensweg.

In diesem Fall können schamanische Mittel helfen, den eigenen Lebensweg als selbst gewählt zu erkennen und anzuerkennen und damit den Widerstand gegen das eigene Schicksal besser loszulassen. Hört der Kampf dagegen auf, wird es leichter und freier. Und auch, wenn ich das noch nicht erlebt habe, bin ich zutiefst davon überzeugt, dass so ein tiefes Loslassen und Akzeptieren auch eine spontane “Wunder”heilung zur Folge haben kann.

Krankheit als Manipulation

Einst fragte mich eine Frau nach schamanischer Unterstützung. Sie war sehr schwer krank und wollte, dass sich ihre erwachsenen Kinder, die sich selbst um Kinder kümmern und arbeiten mussten, mehr mit ihr machten. Es wurde schnell klar, dass sie gar nicht gesund werden wollte. Sie nutzte und benötigte ihr Kranksein, um ihre Kinder zu manipulieren. Sie ging sogar so weit, mich dabei um Hilfe zu bitten. Doch ich arbeite nie mit Menschen, die mich nicht selbst beauftragt haben. Also lehnte ich das ab. Ich bot ihr an, mit ihr selbst zu arbeiten, um zu schauen, was sie selbst verändern könne, damit es ihr wieder besser ginge. Sie rief mich nicht mehr an.

Solche Strukturen finden sich immer wieder mal. Schaut man oberflächlich auf die Situation, erscheint der kranke Mensch wie “das Opfer” (der Krankheit), doch schaut man tiefer, sieht man die Energieströme genau anders herum fließen. Der Partner, die Partnerin oder auch die Kinder oder Eltern sind die eigentlichen Opfer. Krankheit wird kreiert, um Aufmerksamkeit zu erzwingen. Den meisten Menschen fällt es sehr schwer, dem kranken Menschen in einer solchen Situation “nein” zu sagen und ihn mit sich allein zu lassen. Doch das wäre ein schnellst möglicher Ansatz zur Heilung.

Hilfe, egal ob schamanische oder andere, ist in solchen Fällen quasi unmöglich. Auch, wenn der kranke Mensch sagt, dass er Hilfe möchte, will er sie eigentlich doch nicht und wird jede Arbeit boykottieren. Das wird er solange tun, bis er sich selbst entweder komplett zugrunde gerichtet hat oder bis er mit seiner Kraft so am Ende ist, dass er sich vielleicht doch noch auf einen anderen Weg einlässt. In diesem Fall stimmt der Satz “Schlaua durch Aua” aber mal so richtig.

Krankheit als Autoaggression

Manchmal erleben wir als Kinder (oder auch als Erwachsene) Schreckliches. Wir müssen mit ansehen, dass eines der Elternteile durch das andere misshandelt wird oder unsere Geschwister oder wir erleben selbst Misshandlung und Missbrauch. Abgesehen von den Seelenanteilen, die in solchen Situation abgespalten werden, um sich zu schützen und den Schmerz nicht dauernd spüren zu müssen, gibt es einen Mechanismus der Autoaggression. Kinder sind von ihren Eltern abhängig und müssen sie aufgrund ihrer Entwicklungsanlagen lieben, egal, was die Eltern tun. Ihr gesamtes Leben ist von den Eltern abhängig. Kinder schützen ihre Eltern und geben sich oft selbst Schuld an den Dingen, die da geschehen.

Als erwachsene Menschen haben wir uns vielleicht von unseren Eltern gelöst und wissen verstandesmäßig, dass da etwas wirklich falsch gelaufen ist in der Kindheit, doch wir erlauben uns noch immer nicht, die Gefühle zu spüren, die wir vor langer Zeit zur Seite geschoben haben. Angst, Trauer und Verzweiflung, die das Kind damals hatte, sind auch heute schwer auszuhalten. Und solche Gefühle wie Wut und Hass hat man einfach nicht zu haben. Die Gefühle sind ja dennoch da, auch wenn wir sie nicht in unser Bewusstsein lassen. Das innere Kind wird dadurch noch immer missbraucht und misshandelt. Es erfährt keine Linderung. Diese Art der Autoaggression kann zu schwerwiegenden körperlichen Erkrankungen führen.

Eine meiner Klientinnen hat aufgrund dessen eine Multiple Sklerose entwickelt. Sie wollte immer “wieder in ihre Kraft” kommen. Doch sie hat all ihre Kraft in den Widerstand gegen diese Gefühle gesteckt. So blieb für sie selbst nicht viel Energie übrig.

In einer solchen Situation machen sowohl Psychotherapie als auch schamanische Arbeit Sinn. Schön wäre dann eine kombinierte Variante. Die schamanische Arbeit würde sich um die seelisch-energetischen Aspekte dabei kümmern und beim Erinnern helfen, Seelenanteile zurück holen und entsprechende Prozesse anstoßen. Die psychotherapeutische Arbeit würde sich um das Integrieren der Seelenanteile und die Gefühle kümmern. Gemeinsam könnte der Mensch neue Handlungsweisen lernen und neue Hoffnung schöpfen. Am Anfang ist vielleicht sogar ein stationärer Aufenthalt in therapeutischen Einrichtungen sinnvoll, wenn die Gefühle zu heftig werden und der Mensch nicht alleine damit klar kommen kann.

Kein Entweder-oder, sondern immer ein Sowohl-als-auch

Am Anfang meiner bewussten spirituellen Entwicklung habe ich zwei Bücher von Sabrina Fox gelesen. Sie fragte darin (leider weiß ich nicht mehr, in welchem genau) Gott, ob sie ihre Augen nicht über einen spirituellen Weg heilen solle. Gott teilte ihr daraufhin mit, dass Gott auch durch Ärzte arbeitet.

Diese Aussage zaubert mir heute ein Lächeln auf die Lippen, denn die hat offensichtlich bei ihr Erstaunen ausgelöst. In meiner Wahrnehmung ist alles eins. Selbstverständlich arbeitet Gott also auch durch Ärzte. Es ist eben einfach ein anderer Aspekt, der durch die wissenschaftliche Medizin angeschaut wird.

Ich selbst finde die Erkenntnisgewinnung durch Wissenschaft recht langwierig und langsam. Doch sie ist eben für alle Menschen, die es wollen, nachprüfbar. Das ist mit spirituellen Methoden anders. Ich kann niemandem beweisen, dass der “Große Geist” existiert. Auf spirituelle Erfahrungen muss sich ein jeder Mensch einlassen und es gibt durchaus gute Gründe, dies nicht unbedingt zu tun, z.B. ändert und erweitert sich die Wahrnehmung. Das muss man wollen. Manch einen Menschen mag es gruseln, wenn er plötzlich Dinge sieht oder Gefühle von anderen wahrnimmt. Wenn eigene alte Gefühle unterdrückt sind, lässt sich das Fühlen z.B. nur schwer öffnen. Das bedeutet tiefe und intensive Auseinandersetzung mit sich selbst. Das muss man, wie gesagt, wollen.

Also … es kommt mir nicht in den Sinn, das eine für besser als das andere zu halten. Es sind einfach zwei unterschiedliche Herangehensweisen und es werden unterschiedliche Ebenen des Patienten bzw. der Klientin betrachtet. So wie die Seele auf den Körper wirkt, wirkt auch die Materie, also der Körper auf die Seele.

In manchen Situationen stellt sich die Frage nach der Methode nicht. Z.B. bei einem Unfall, bei dem es zu extremen Blutverlust gekommen ist. Da steht als erstes die möglichst schnelle und effektive Behandlung des Körpers mit üblichen medizinischen Mitteln an. Hinterher kann schamanische Arbeit nützlich sein, um zu schauen, warum es zu dem Unfall für diese Seele gekommen ist oder wenn der Mensch im Koma liegt und die Seele irgendwo anders “herumschwirrt”.

Mir selbst liegt viel daran, die Welten miteinander zu verbinden. Wäre es nicht toll, wenn sich wissenschaftlich und spirituell arbeitende Menschen zusammen tun würden und gemeinsam für Patientinnen und Patienten bzw. Klientinnen und Klienten da sein könnten, egal ob Ärzte, Psychotherapeutinnen und Schamaninnen oder Reiki-Meister oder wer auch immer?

Sowohl im Bereich der Medizin als auch bei der spirituellen Arbeit ist Qualität wichtig. In beiden Fällen sollte das Ziel des Helfenden sein, sich selbst überflüssig zu machen. Und in beiden Fällen sollte nicht nur an Symptomen “herumgedoktert” werden (ja, das geht tatsächlich auch mit spirituellen Methoden), sondern nach der Ursache geschaut werden. In beiden Fällen sollte es immer um eine nachhaltige Lösung gehen.

Wie schamanische Arbeit außerdem Gesundheit fördern kann

Der Placeboeffekt

Selbst, wenn mit spirituellen Methoden nichts ausgerichtet werden kann, kann doch der Placeboeffekt genutzt werden. Ich weiß nicht, ob ein Arzt, eine Ärztin den bewusst einsetzen darf. Ich kann mir vorstellen, dass es da rechtliche Grenzen gibt. Als spirituell arbeitender Mensch kann ich das aber tun, auch, wenn ich kein Heilungsversprechen geben darf. Das tue ich ohnehin nicht, denn das liegt ja nicht in meiner, sondern in der Hand des Klienten bzw. der Klientin. Doch ich kann immer sagen, dass die Geister meinen, dass wenn …

Und hier gibt es noch einen Beitrag im Ärzteblatt über die Wirkungen und deren Messbarkeit des Placeboeffektes.

Rückverbindung mit der Natur

Schamanismus ist eine sehr alte spirituelle Methode. Sie gehört mit zu den ältesten Methoden, denn sie entwickelte sich bereits, als die Menschen noch sehr mit der Natur verbunden und ihren Gewalten ausgesetzt waren. Ein Merkmal des Schamanismus ist tatsächlich auch die Verbindung mit der Natur. Wir sind Natur. In uns finden dieselben Prozesse statt, die auch in der Natur stattfinden. Viele Tiere halten Winterschlaf. Sie ziehen sich zurück, so wie die ganze Natur hier in unseren Breitengraden. Es wird still. Nur wir Menschen sind rastlos und halten uns durch elektrische Lichtquellen und dauernde Geräusche, durch unablässige Ziele und so weiter von der Ruhe ab.

Es gab Zeiten, da haben wir uns mit aller Kraft von der Natur und unserem Ursprung daraus abgewandt. Das ändert sich nach meiner Beobachtung ganz langsam wieder. Uns wird bewusst, wie sehr wir nicht nur Teil, sondern Natur selbst sind. Wenn wir unseren inneren biologischen Prozessen folgen und uns die Ruhe gönnen, die wir dafür benötigen, dann folgen wir auch unseren spirituellen Prozessen. Nichts kann uns die Einheit allen Seins so gut lehren wie die Natur. Im Wald können wir das spüren. Die Naturgeister können und wollen uns das lehren.

Die Rückverbindung mit der Natur heilt nicht nur unsere Seele, sondern auch unseren Körper. Wir lernen dabei z.B. auch, die Bedürfnisse unseres Körpers früher und deutlicher wahrzunehmen und auf diese zu reagieren, indem wir z.B. unsere Ernährung ändern, uns mehr bewegen oder, was auch immer anstehen mag.

Bedingungslose Selbstliebe

Ein besonderer Aspekt der Heilung auf allen Ebenen ist die bedingungslose Selbstliebe. Im Allgemeinen haben wir als Menschen klare Vorstellungen davon, was gut und richtig und was böse bzw. schlecht und falsch ist. Leider lernen wir meistens nicht, diese Vorstellungen einzuschränken und daraus Aussagen über uns zu machen. Wir sagen „dieses oder jenes ist gut“ und beziehen das auf das Leben allgemein und auf alle Menschen. Wir sollten doch lieber sagen, „dieses oder jenes gefällt mir und möchte ich in meinem Leben erfahren“ oder eben nicht. Das hat den Vorteil, dass wir andere so lassen können, wie sie nun mal sind, auch wenn sie unseren Wünschen nicht entsprechen. Wir stellen uns nicht moralisch über sie. Es hat aber auch noch den entscheidenden Vorteil, dass wir uns selbst nicht verurteilen müssen, wenn wir unseren eigenen Ansprüchen nicht genügen oder auch den Ansprüchen anderer Menschen.

Bedingungslose Selbstliebe führt zu Nachsicht, Wärme, Verständnis und Geduld mit sich selbst. Sie führt früher oder später auch zu der Disziplin, die wir benötigen, um bestimmte Ziele zu erreichen und unseren Lebensstil zu ändern. Und sie führt dazu, dass wir alle Anteile von uns selbst annehmen und nichts mehr abspalten (müssen), so dass keine neuen Löcher in uns entstehen, in die sich Krankheiten einhaken können.

Neben der üblichen schamanischen Arbeit, ist die bedingungslose Selbstliebe, über die du hier im Blog viel findest, eine meiner wichtigsten „Methoden“, um Leben in die von der Klientin bzw. vom Klienten gewünschte Richtung zu verändern. Sie ist Ziel und Kompass zugleich.


Ich denke, dass sich dieser Beitrag hier immer mal erweitern wird. Also … vielleicht schaust du ab und an mal wieder hier rein. Jetzt danke ich dir erst einmal für deine Neugier!

Es grüßt dich herzlich
Tanja Richter


1) Mir ist bewusst, dass an dieser Stelle vielleicht der eine oder die andere mit Empörung o.ä. Empfindungen reagieren mögen. “Wieso sollte ich mir so einen Mist, diese Schmerzen, diese Qual ausgesucht haben?”, so lautet vermutlich die ganz verständliche Frage. Dieser Ansatz wird oft gleichgesetzt mit Schuldzuweisung. Doch darum geht es mir nicht. Ich bin weit davon entfernt, das erfahrene Leid zu schmälern oder zu sagen: “Was willst du denn? Du hast es dir doch ausgesucht!”

Nein, mein Ansinnen ist es, Wege zum Verändern zu finden bzw. zu entwickeln. Wenn wir glauben bzw. anerkennen, dass wir uns unseren Weg selbst kreiert und ausgesucht haben, dann sind wir nicht Opfer von Umständen, Eltern, Ärzten, Genen etc. Was wir einmal entschieden haben, können wir neu entscheiden. Wir können es leichter loslassen, als wenn wir selbst Schuld zuweisen.